In der Nähe des oberbayerischen Weilheim entsteht das größte Erdwärmekraftwerk Deutschlands

Erdwärme Oberland baut zusammen mit seinem Partner, dem italienischen Energieunternehmen Enel Green Power in der Lichtenau bei Weilheim in Oberbayern ein Geothermie-Kraftwerk, das eine maximale Leistung von 26 Megawatt haben wird. Damit würde die Energiegewinnung aus Erdwärme von derzeit 39 Megawatt in ganz Deutschland deutlich erhöht werden. Die Voraussetzungen im Bayerischen Oberland sind optimal.

Mehrwert für die Region Weilheim

Von der Geothermie-Anlage in Weilheim werden die Menschen in der Region direkt profitieren, denn die Einbindung der örtlichen Betriebe in die Lieferkette wird zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Während der Bauphase in Weilheim beabsichtigen Enel Green Power und Erdwärme Oberland Arbeitsplätze zu schaffen und durch verschiedene Initiativen die Beteiligung von lokalen Unternehmen und Zulieferern an dem Projekt zu ermöglichen.

Die wichtigsten Fakten zum Projekt

Voraussichtliches Timing:

Start Bohrplatzbau: 24. Februar 2016
Bohrbeginn: Winter 2016/2017
Beginn Kraftwerksbau: Sommer 2018
Inbetriebnahme 2019

 

 

 

 

Wesentliche Fakten (Plandaten):

Anzahl Bohrungen: Bis zu 6
Anzahl Bohrplätze: 2
Vertikale Bohrtiefe: 4.130 Meter
Bohrstrecke: 5174 Meter
Erwartete Schüttung pro Bohrung: bis zu 200 Liter pro Sekunde
Erwartete Temperatur: ca. 141°C
Elektrische Leistung: bis zu 26 MW
Stromerzeugung: bis zu 210 Mio. kWh/a (entspricht dem Bedarf von rund 60.000 Haushalten)
Kraftwerkstechnologie: luftgekühlter Organic-Rankine Cycle (ORC)

 

Projekt Weilheim

Detaillierte Projektbeschreibung des Geothermie-Bohrplatzes in Weilheim-Lichtenau

Bisheriger Bohrverlauf

Erdwärme Oberland bohrt in der Lichtenau mit einer der größten Bohranlagen Mitteleuropas, der T-46 von KCA Deutag mit einer Maximallast von 510 Tonnen. Diese Bohranlage hat auch bei Bohrtiefen jenseits der 5.000 m, wie sie es in der Lichtenau geplant sind, noch reichlich Reserven. Die Bohrung wird in 5 Sektionen gebohrt, die anschließend verrohrt werden. Die Durchmesser verjüngen sich nach unten, da der Bohrmeißel für jede Sektion immer durch die Verrohrung der oberen Sektionen passen muss. Die Bohrmeißel gibt es in vielen verschiedenen Formen und Materialien, die nach den jeweiligen Anforderungen ausgewählt werden. Pro Sektion werden durchschnittlich 1-2 Meißel benötigt. Die benutzten Meißel gehen zurück an den Lieferanten, der sie entsprechend dem jeweiligen Zustand recycelt.

Auf dem Bohrplatz arbeiten viele Spezialfirmen zusammen. Beispiele sind die Bohrfirma, der Richtbohrservice, die Spülungsfirma, die Geologie, der Verrohrungseinbau, die Zementation oder die Datenerfassung. Alle diese Firmen sind weltweit anerkannte Spezialisten auf Ihrem Gebiet.

 

T46-2Die Bohranlage T-46 von KCA Deutag auf dem Bohrgelände in der Lichtenau ist eine der größten Mitteleuropas.

 

 

 

Bits_alt_neuBohrmeißel in verschiedenen Zuständen: abgenutzt (Mitte), unbenutzt (links und rechts)

Sektion 1

Die erste Sektion des Bohrlochs wurde mit einem Durchmesser von 26 Zoll gebohrt und war bis 1.300 Meter geplant. Als aber der Bohrfortschritt ab 1.100 Meter aufgrund härteren Gesteins deutlich zurückging, wurde beschlossen bereits bei 1.200 Meter abzusetzen, die Verrohrung einzubauen und zu zementieren. Ab 1.200 Meter wurde dann mit dem kleineren Meißel der zweiten Sektion gebohrt, was wie erwartet deutlich schneller ging.

Sektion 2

Die zweite Sektion wurde bis 3.000 Meter mit 18 ½ Zoll gebohrt. Bei rund 3.000 Meter musste die Bohrung leider für einige Zeit angehalten werden, da es technische Probleme bei einem Zulieferer gab. Erst als diese Probleme beseitigt waren konnte weiter gebohrt werden. Dadurch entstand eine Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan.

Sektion 3

In der dritten Sektion ab etwa 3.000 Meter Tiefe wurde die Bohrung aus der vertikalen abgelenkt und langsam ein Winkel von 70° Richtung Osten aufgebaut. Während des Neigungsaufbaus wurde die tonreiche Formation des Fischschiefers durchquert. Diese Formation war hier extrem bröselig und das Bohrloch blieb nicht stabil. Durch ein Anheben des Spülungsgewichtes konnte die Formation schließlich zurückgedrängt und in einem zweiten Versuch erfolgreich durchbohrt werden.

Von der dritten Sektion abwärts war dann mit kleinen Vorkommen von Erdgas zu rechnen. Diese Vorkommen finden sich im Alpenvorland sehr häufig. Es handelt sich aber um Mengen, die weit unterhalb des ökonomisch abbaubaren sind. Das Gas wird dann aus der Bohrspülung abgetrennt und auf die Fackel im hinteren Bereich des Bohrplatzes geleitet, wo es abgebrannt wird. Tatsächlich sind wir erwartungsgemäß schon auf kleine Mengen von Erdgas gestoßen, die in wenigen Stunden abgefackelt waren.

Sektion 4

Die vierte Sektion ist relativ kurz und reicht bis zur Oberkante des Heißwasser-Reservoirs des Malm. Der Malm ist der Zeitabschnitt des mittleren Jura, mitten in der Zeit der Dinosaurier. Diese Gesteine kommen in der Nähe der Donau an die Oberfläche, wo sie die Fränkische und Schwäbische Alp aufbauen.

Vorgeschichte

Bereits im Jahr 2007 starteten im Raum Weilheim die ersten geologischen Untersuchungen des geothermischen Reservoirs. Nach einer gründlichen Prüfung des Reservoirs im Rahmen einer 3D-Seismik-Studie in den Jahren 2010/2011, wurde die nördliche Lichtenau (nord-westlich von Weilheim) als das Gebiet mit den besten geologischen Bedingungen und den geringsten Beeinflussungen von Mensch und Natur bestimmt.

Dort startete im Jahr 2012 die Errichtung eines Bohrplatzes. Aufgrund von Unklarheiten über die Fortsetzung der staatlichen Unterstützung für geothermische Energie im Rahmen der Reform des Gesetzes erneuerbarer Energien (EEG-Reform 2014) wurde das Projekt im Jahr 2013 gestoppt. Unter der Leitung von Enel Green Power, die Ende 2015 die Mehrheit an der Erdwärme Oberland GmbH erwarb, wird das Projekt nun in einem größeren Maßstab wieder aufgenommen. Im Optimalfall wird das Geothermie-Projekt Weilheim bis zu 26 Megawatt Strom ins Netz liefern können.